Traumatologie

Die Behandlung von Unfallverletzungen (Traumatologie)

Die Traumatologie des Gesichtes besteht aus den Weichteilverletzungen und den Brüchen des Schädelskeletts. Die Weichteilverletzungen entstehen vorwiegend durch Verkehrs- und Sportverletzungen sowie durch Rohheitsdelikte. In den meisten Fällen handelt es sich jedoch um Kombinationsverletzungen, wobei sowohl die Weichteile, wie auch der Knochen betroffen sind.

 

Welches sind die häufigsten Verletzungsformen?

Bruchlinien_Le_Fort__Mittelgesicht

Unterkiefer_mit_Osteosyntheseplatten

Die Frakturen des Mittelgesichts liegen in den von LeFort beschriebenen Ebenen I, II und III (Abb. 1), zusätzlich zählen die Jochbein-, Orbitabodenfrakturen und die Nasenbeinbrüche zu den häufigsten Brüchen des Schädelskelettes. Der Unterkiefer weist abhängig von der Gewalteinwirkung sehr variationsreiche Bruchformen auf, die von der isolierten Unterkieferfraktur bis hin zum Trümmerbruch reichen (Abb. 2).

Abb. 1: Verläufe der Bruchlinien im Mittelgesicht nach LeFort

Abb. 2: Mit Osteosyntheseplatten versorgte Unterkieferfrakturen

 

Gelenkfortsatzfraktur

Am häufigsten bricht der Unterkiefer unterhalb des Kiefergelenkes, weil er dort am dünnsten ist (Abb. 3). In der Vergangenheit wurden die Mittelgesichtsfrakturen mit Drahtligaturen oder durch Drahtaufhängungen, die durch die Gesichtsweichteile geführte wurden, stabilisiert. Roentgenbild_Mittelgesichtsfraktur_mit_OsteosyntheseplattenHeute erfolgen die Frakturversorgungen meist operativ, d.h. es werden miniaturisierte, dem Gesichtsskelett angepasste, Osteosyntheseplatten verwendet und die fakturierten Knochenanteile damit wieder zusammengefügt (Abb. 4).

 

 

Abb. 3: Typische Gelenkfortsatzfraktur

Abb. 5: Mit Osteosyntheseplatten versorgte Mittelgesichtsfraktur im Röntgenbild


Welches Material wird für die Implantate verwendet?

Da das Osteosynthesematerial aus Titan, dem am besten verträglichen Metall, besteht, kann man die Platten in den meisten Fällen belassen. Immer erfolgt eine derartige Rekonstruktion jedoch von innen nach außen, also von den tiefer gelegenen Knochenverletzungen hin zum Verschluss der Weichteile, die mit atraumatischen Nähten versorgt werden, damit keine oder nur geringe Narben verbleiben. Die meisten derartigen Eingriffe können dank langer und graziler, dem Gesichtsskelett angepasster Instrumente von der Mundhöhle aus operiert werden.


Mit Nasenbeinbrüchen immer sofort zum Arzt

Sattelnase_nach_Trauma

Schienungssplint_nach_Nasenoperation

Die Nasenbeinbrüche (Abb. 6) haben die besten Therapieerfolge, wenn sie möglichst kurzfristig nach dem Trauma versorgt werden, da die Frakturanteile dann noch beweglich sind und leicht reponiert werden können. Die Operation der Nasenbeinfraktur erfolgt, wenn keine Weichteilverletzungen vorliegen, über die Naseneingänge von innen. Anschließend wird die Nase mit einem Splint (Abb. 7) für 6 bis 8 Tage geschient und ist abgesehen von einigen Blutergüssen dann wieder hergestellt.

 

 

Abb. 6: Sattelnase nach Trauma

Abb. 7: Schienungssplint nach Nasenoperation

 

Abb._9b_jochbeinfraktur

Die Jochbein-, Orbitabodenfrakturen (Abb. 9), die durch Gewalteinwirkung auf die Augenhöhle entstehen, unterliegen einer besonderen Aufmerksamkeit, da durch derartige Traumen das Auge in seiner Achse verschoben wird und dadurch Doppelbilder entstehen, die das beidäugige, zweidimensionale Sehen beeinträchtigen. Zudem zieht eine Jochbeinfraktur eine Schädigung des zweiten Astes des Nervus trigeminus nach sich und verursacht eine Gesichtsasymmetrie. Aus diesen Gründen müssen nach entsprechender Röntgendiagnostik derartige Verletzungen immer operativ behandelt werden. Dabei wird der Orbitaboden rekonstruiert und das Jochbein nach anatomischer Reposition mittels Osteosynthese refixiert.

 

Abb. 9: Jochbeinfraktur

 

Zahnfraktur und Zahnverlust

Eine Sonderform der Gesichtsverletzungen stellen die Frontzahntraumen dar, bei denen die der wie auch immer gearteten Gewalt ausgesetzten Frontzähne in Mitleidenschaft gezogen werden (Faustschlag, Fahrrad- oder Sportunfall).

Dabei werden durch die Gewalteinwirkung die betroffenen Zähne in verschiedener Weise luxiert, das heißt gelockert und der Zahnhalteapparat gleichfalls mit geschädigt. Von der leichten Luxation bis hin zum totalen Zahnverlust gibt es alle Übergänge. Bei den Frontzahntraumen wird in jedem Fall versucht, die eigenen Zähne zu erhalten. Die Zähne werden über einen Schienenverband stabilisiert, der für ca. 4 bis 6 Wochen belassen wird, bis die Zähne wieder fest in den Kiefer eingeheilt sind. Waren die Zähne ganz herausgefallen, so müssen die Wurzelkanäle zunächst endodontisch versorgt werden und anschließend werden die Zähne reponiert und geschient. Sollten die Zähne allerdings selbst frakturiert und die Replantation nicht mehr möglich sein, so wird man die Zähne durch Zahnimplantate ersetzen