Ausgangspunkt: der Zahnhalteapparat

Die Parodontologie ist die Lehre vom Parodontium, dem Zahnhalteapparat. Vorwiegend werden jedoch unter dieser Thematik die Parodontopathien abgehandelt. Die Parodontopathien sind die Erkrankungen des Zahnbettes.
Da der Zahn sowohl mit der Umwelt, wie auch mit dem Körperinneren in Verbindung steht, müssen verschiedene Abwehrschranken eine Abdichtung zwischen Umwelt und Kieferknochen herstellen (Abb. 1).
Abb. 1: Zahn klinisch mit abdichtender Gingivamanschette und im Querschnitt mit Verankerung im Knochen
Hier bildet das Zahnfleisch, Gingiva, eine mechanische Barriere gegen das Eindringen von Krankheitserregern. Wird der Zahnfleischsaum durch Plaque oder Zahnstein zerstört, können die Bakterien ungehindert in das Gewebe des Zahnhalteapparates eindringen und es weiter zerstören, so dass Zahnfleisch- und nachfolgend Knochentaschen entstehen. Ohne Behandlung wird es dann zum Zahnverlust führen (Abb. 2). In diesem Fall können Zahnimplantate eine Lösung sein.


Abb. 2a: Zahnstein und Konkremente, die zu einer Zahnfleisch- und Knochentasche geführt haben
Abb. 2b: Typische Knochentasche an einem unteren Schneidezahn
Parodontitis und Parodontose
Die lokale Entzündung des Zahnhalteapparates wird Parodontitis oder lokalisierte Parodontose genannt. Der nichtentzündliche Schwund des Zahnbettes heißt Parodontose und ist sehr selten. Je nach Schweregrad weichen erst das Zahnfleisch und nachfolgend der Alveolarknochen.
Die Behandlung derartiger Parodontopathien ist sehr variationsreich und erstreckt sich von der medikamentösen Therapie bis hin zum chirurgischen Eingriff, bei dem die erkrankten Anteile entfernte werden. Meist besteht die Behandlung jedoch aus einer Kombination beider Methoden. Das Wichtigste ist in jedem Fall die Ursachenforschung und die Elimination des auslösenden Faktors.
Die Behandlungsstufen

1. Intensivierung Mundhygiene
Einfache Gingivitiden, also Zahnfleischentzündungen, (Abb. 3) lassen sich meist schon mit einer verbesserten Mundhygiene, wie z.B. mit einer elektrischen Zahnbürste, Zahnseide oder einer Munddusche erfolgreich behandeln.
Abb. 3: Schematische Darstellung einer Gingivitis
2. Medikamentöse Behandlung

Schwere Krankheitsbilder sollten chirurgisch mit einer medikamentösen Begleittherapie behandelt werden. Sind Zahnstein oder Konkremente vorhanden müssen diese in jedem Fall vorher entfernt werden, wie auch überstehende Füllungs- und Kronenränder (Abb. 4).
Abb. 4: Erheblich überstehende Kronenränder an einer oberen Brücke
Die medikamentöse Behandlung besteht häufig in einer antibiotischen Medikation, weiterhin kann neuerdings mit einem neuen Medikament (Emdogain®) zusätzlich eine Anheftung der Gingiva an dem Zahn wiederhergestellt werden.
3. Die chirurgische Therapie

Bei der chirurgischen Therapie werden die entzündlich veränderten Zahnfleischanteile und das sich durch die Entzündung gebildete Granulationsgewebe mittels Radiochirurgie (Abb. 5) oder Laser entfernt.
Abb. 5: Entfernung von pathologischem Granulationsgewebe in einer Zahnfleischtasche zwischen den Zähnen 15/16 mit dem Radiochirurgiegerät
Anschließend wird die Wunde mit einem Zahnfleischverband versorgt und die evtl. vorhandenen Fäden nach einer Woche gezogen.
Bei weiterhin guter Mundhygiene kann eine derartige Erkrankung auch wieder ganz ausheilen.
Ähnliche Veränderungen sind analog an Zahnimplantaten festzustellen, jedoch sieht hier wegen anderer physiologischer Voraussetzungen die Therapie anders und vielschichtiger aus (siehe dort).
